Einblick in die Chronik der Glorreichen Sieben
Seminarblock 1; Tag 1 bis 3
9. bis 11 April des Jahres 2026
Ein sonniger Apriltag sollte die sieben
Menschen zusammenführen, die noch
am Ende des ersten gemeinsamen
Weiterbildungsblockes zu den
glorreichen Sieben benannt werden
würden.
Doch eins nach dem anderen und der
Geschichte nicht vorweggegriffen.
Der sonnige April, der 9. des vierten
Monats im Jahre 2026 nach Christi
Geburt führte sieben Menschen in die
heiligen Hallen des Vitas. Dort wurden
sie von einem ihrer Lehrmeister
erwartet. André Schulz, systemischer
Alleskönner und Gründervater der
Institution, stand mit einer Drohung an
der Eingangstür zum Ort des Wissens,
Lernens und Verstehens. Er drohte,
jeden persönlich bei Eintritt mit einer
Umarmung begrüßen zu wollen. Nur
jene der Sieben erfuhren Einlass, die
sich den offenen Armen voll
Herzlichkeit entgegenwarfen. Die
Umarmung war ein Türöffner, nicht nur
in den physischen Raum des Vitas.
Aufgeregt saßen sie kurze Zeit später
im Kreis. Die Inhalte der kommenden
zweieinhalb Tage waren auf der
Landkarte halbwegs durch das Skript
abgesteckt, ganz im Gegensatz zu den
Gruppenprozessen. Claudia, Gero, Ines
und Juli kannten einander aus dem
Ausbildungskurs zur systemischen
Beraterin / zum systemischen Berater.
Ursula, Stefan und Anne hingegen
blickten in sechs gänzlich unvertraute
Gesichter.
Eingeladen durch den Lehrmeister
André gab es zunächst in zwei Gruppen
ein munteres Hypothesenbilden zu den
beruflichen Kontexten und
Ausbildungsfantasien. Die Anspannung
der Aufregung zeigte sich recht deutlich
darin, dass sich das hypothetische
Sinnieren doch sehr eng an möglichst
"richtigen" Eindrücken orientierte. Die
Kreativität und das muntere Geflunkere
wurde auf ein Später vertagt, nur
einmal blitzte es kurz aus Ines Munde
und führte im Hintergrund bei André zu
einer Sitzchoreografie der Freude in
Armen und Kopfnickern. Anschließend
durften sich die Sieben kurz von ihrer
Aufregung und Anspannung entladen,
indem sie einander daran teilhaben
ließen, wie sie in den Ausbildungstag
und damit in den Kurs gestartet sind.
Es gab ein wenig frische Luft, Kaffee,
erstes Pausengeschnattere und
theoretische Einblicke, ehe die erste
gemeinsame Lebensflussarbeit der
Sieben startete. Stefan stellte sich als
Star bereit und würde - vom Reiseleiter
in zwei Einheiten gelenkt - die sechs
Mitreisenden an die Lebensflüsse
seiner Familie führen. Die Inhalte des
Gesehenen, Erlebten und Erzählten
sind zutiefst vertrauensvoll. Es ist
sicherzustellen, dass sie ausschließlich
in Raum, Zeit und Herzen der
Reisegruppe verankert bleiben und
entziehen sich damit jeder
Verschriftlichung. Diejenigen der
Sieben, die offenen Herzens und
wachen Geistes begleiten konnten,
werden sich ganz sicher noch lange an
die eindrücklichen Emotionen erinnern,
die Stefan an den Lebensflüssen seiner
Familie geschenkt wurden und sich in
tiefer Berührung über die Gruppe
legten. Gleiches gilt für alles, was sich
darauf folgend in den Kleingruppen
ereignete, in denen andere Stars
weniger Reisegefährten und -
gefährtinnen mit an ihre Lebensflüsse
nahmen. In der Gruppe von Gero, Juli
und Anne betrat Claudia das Land ihrer
Lebenflüsse, in der Gruppe von Stefan
und Ursula leitete Ines an ihre
Lebensflüsse. Die Flussreisen
erstreckten sich für alle drei Stars
jeweils über zwei Etappen, wovon eine
am Donnerstag, dem 09.April
beschritten wurde, die zweite am
Freitag, dem 10. April.
Dazwischen gab es kleinere und
größere Übungen, eine galt zum
Beispiel der Demonstration der
Versöhnung / Vertöchterung mit Hilfe
der aktiven Würdigung der Zeitebenen
Vergangenheit (Verletzung / Ohnmacht
/ Verzweiflung oder ähnlich gefärbtes,
negatives Gefühl), - Gegenwart
(erwachsen gewordene Einsicht oder
Verständnis, die sich selbst und dem
Gegenüber eine Versöhung oder tiefer
gestapelt eine Begegnung ermöglicht) -
Zukunft (Wunsch für uns in zukünftiger
Begegnung samt
Verantwortungsübernahme durch
Gewahrwerden eigener
Handlungsmöglichkeiten und -
bereitschaft.). Geübt wurde hierbei auf
Wunsch eines Teilnehmers an
Kuscheltieren als Stellvertreter*innen.
Die Ansprache eines erwachsenen
Gegenübers, zu dem es vorwurfsvolle
Erinnerungen gibt, und einen selbst
damit in der Rolle des Kinders
verhaften, lässt sich gut in die
Lebensflussarbeit einbauen.
Am Ende des zweiten Tages wurde die
Arbeit an den Lebensflüssen
abgeschlossen, indem die
Transfermöglichkeiten in eigene
berufliche Felder in Kleingruppe
diskutiert und anschließend in der
großen Runde zusammengetragen
wurden. Das Aufweichen der
Komplexität und Tiefe war hierbei für
einige der sieben ein wertvoller
Zugewinn. So sind am Ende des Tages
mindestens zwei mit dem Vorsatz nach
Hause gefahren, Seile und Jonglierbälle
auf die Einkaufsliste zu setzen und in
beruflichen Handlungsfeldern zum
Einsatz zu bringen.
Den letzten halben Tag nutzte
Lehrmeister André, um mit den Sieben
über Rituale zu sprechen. Sinn(stiftung)
und Definition von Ritualen wurden für
den Alltag und besondere
Lebenssituationen in zwei Gruppen
diskutiert und hinterher im Plenum
geteilt. Ein eindrucksvolles Beispiel aus
der Beratungspraxis von André entließ
die Sieben tief berührt in die Pause. Zu
guter Letzt durften zwei der Sieben in
Gruppe für Beruf oder Privatleben ein
eigenes Beispiel für ein zu gestaltenes
Ritual diskutieren. Ines und Juli nutzten
die Gelegenheit und profitierten nach
eigenen Angaben.
Irgendwann in diesen zweieinhalb
Tagen haben die Sieben sich in
Mittags- und Kaffeepausen, in
Gruppenarbeit und im Großplenum so
zusammengeschweißt, dass die Runde
nicht bereit war, sich für die
Studiengruppenarbeit aufzuteilen. Die
Herzlichkeit und Vertraulichkeit, die
sich über die Gruppe gelegt hatten,
wollte nicht für eine schnöde Formalie
zerrissen werden. Da Gruppe nur durch
eine Mindesgröße definiert wurde,
ergriffen sie die Möglichkeit
zusammenzubleiben. Die Bereitschaft
war da, mehrere Termine zu suchen, zu
akzeptieren, dass selten bis nie alle
dabei sein können und der jeweilige
Kalender über die Möglichkeiten
entscheidet. Mal darf es persönliche
Treffen geben, mal digitale, aber immer
sollen sie allen geöffnet sein. Der
benötigte Messenger zur
Kommunikation war alsbald gefunden
und dank Claudias Kreativität wurden
die sieben neu Verbündeten in der
Gruppe der glorreichen Sieben vereint.
Die ersten Termine wurden fix gemacht
und Verantwortlichkeiten so gut es auf
die Schnelle ging, festgelegt.
Ein erster Seminarblock ist vorüber,
neun weitere liegen samt
Selbsterfahrungs- und
Supervisionsblöcken noch vor den
glorreichen Sieben. Weg und Zeit
werden sie noch enger
zusammenschweißen, aber das sind
Kapitel der Zukunft und der Weg wird
unsere sieben Reisenden noch früh
genug dorthin führen.
Anne Leddin